Hessen aktiv: 10.000 Bürgerinnen und Bürger für den Klimaschutz

Alles nicht so schlimm?

Auch in Hessen wird sich die globale Erwärmung bemerkbar machen. Forscher arbeiten daran, ihre Folgen abzuschätzen und Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln. Die Modellregion Nordhessen übt bereits die Anpassung an den Klimawandel.

Schlimm, wenn ein paar Pazifikatolle im Ozean versinken. Aber zum Glück liegt Hessen ja nicht am Meer. Da kann uns die globale Erwärmung ja nicht viel schaden, oder?
Irrtum! Natürlich sind tief liegende Küstenregionen besonders gefährdet, wenn der Meeresspiegel steigt. Aber der Klimawandel spielt sich nicht bloß weit weg in der Arktis oder in Afrika ab. Vielmehr machen sich seine Folgen überall auf der Welt bemerkbar – auch vor unserer eigenen Haustür.
Prima, wird dann nicht das Wetter besser? Mehr Sonnenschein, weniger Regen? Langsam. Zwar werden die Folgen der Erwärmung nicht immer nur unangenehm sein – aber ebenso wenig rein positiv. Umso wichtiger ist es, die Klimatrends abzuschätzen. Nur so können Politik und Wirtschaft sich rechtzeitig auf gefährliche Veränderungen einstellen und Vorkehrungen treffen. Gleichzeitig gilt es, die Chancen zu nutzen, die wärmere Sommer zum Beispiel für den Tourismus mit sich bringen.
Allerdings lässt sich bislang nur grob voraussagen, wie sich das Klima in Hessen entwickeln wird. Denn die Klimamodelle der Wissenschaftler liefern zwar verlässliche globale Prognosen. Auch für größere Regionen, etwa ganze Kontinente, sind die Ergebnisse brauchbar. Doch je kleiner das betrachtete Gebiet wird, desto ungenauere Daten spucken ihre Computer aus – so, wie ein Foto immer unschärfer wird, je stärker man einen bestimmten Ausschnitt vergrößert. Denn im kleinen Maßstab wirken sich lokale Effekte wie zum Beispiel die Verdunstung von Wäldern oder Seen aus, die durch das Raster der klassischen Klimamodelle fallen.
Trotzdem bemühen sich die Wissenschaftler, die wahrscheinlichen Entwicklungen immer detaillierter zu erfassen. So haben mehrere Forschungseinrichtungen unter Federführung des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie untersucht, welcher Temperaturanstieg im Land zu erwarten ist, wie sich die Regenfälle wahrscheinlich verändern werden und welche Folgen diese Entwicklung für Mensch und Natur haben könnte. Dazu nutzten und verglichen sie Daten verschiedener Klimamodelle. Beteiligt am Projekt INKLIM 2012 waren unter anderem die Universitäten in Frankfurt, Gießen und Kassel; die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen hat untersucht, wie der Klimawandel Hessens Wälder beeinflussen wird, während sich die Forschungsanstalt Geisenheim mit den Auswirkungen auf Obst- und Weinbau beschäftigt hat.
Auf Basis von INKLIM 2012 und weiteren Studien soll eine Anpassungsstrategie entstehen, die Hessen fit für eine wärmere Zukunft macht. Eine wichtige Rolle dabei spielt Nordhessen: Es gehört zu den sieben deutschen Modellregionen, in denen die Anpassung an den Klimawandel schon einmal erprobt wird. Das „KLIMZUG“-Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Der Kürzel steht für „Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten“. Die Idee dahinter ist, vor Ort Forschungseinrichtungen und Vertreter von Wirtschaft, Verwaltung und Bildung zu vernetzen. Hand in Hand sollen sie Lösungsvorschläge für Bereiche wie Landwirtschaft, Gesundheit und Verkehr entwickeln und in die Praxis umsetzen. So kann später ganz Deutschland von den Erfahrungen in Nordhessen und den anderen Modellregionen lernen.

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V.